Nutznießer des Systems? Nutznießer am Arsch.
Der Satz, der alles offenlegt
Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete die Kinderärztin Dr. Maria Bea Merscher in der RTL-Sendung „Am Tisch mit Friedrich Merz“ als Nutznießerin des Gesundheitssystems. Merscher hatte zuvor die Sparpolitik im Gesundheitswesen scharf kritisiert. Merz erklärte zugleich, sie könne ohne dieses System nicht leben.
Diese Wortwahl dreht die Wirklichkeit um. Ärztinnen, Pflegekräfte, Rettungskräfte, Therapeutinnen und medizinische Fachangestellte bedienen sich nicht an einem Selbstbedienungsladen. Sie halten die Versorgung am Laufen. Gleichzeitig hängen ihre Arbeitsplätze, ihre Vergütung und ihre beruflichen Möglichkeiten an einem Finanzierungssystem, dessen Regeln andere festlegen.
Die Auseinandersetzung legt deshalb eine Frage frei, die weit über Merz und Merscher hinausgeht: Was passiert mit dir, wenn dein Beruf, dein Einkommen und deine Zukunft vollständig an einem System hängen, das seit Jahrzehnten Leistungen verdichtet, Einrichtungen unter Kostendruck setzt und den Zugriff auf Versorgung immer stärker nach Finanzierungslogik organisiert?
Wer das System trägt, ist nicht einfach sein Nutznießer
Eine Kinderärztin versorgt kranke Kinder. Eine Pflegekraft hält einen Menschen am Leben, begleitet ihn durch Krankheit oder ermöglicht ihm einen würdigen letzten Weg. Ein Rettungsteam kommt, wenn Minuten entscheiden. Diese Menschen erhalten Geld für ihre Arbeit. Das macht sie aber nicht zu passiven Begünstigten eines Apparates, sondern zu den Leistungsträgern, ohne die er zusammenbricht.
Dass sie für ihre Arbeit bezahlt werden, macht ihre Leistung nicht wertlos. Gleichzeitig ändert ihre Bedeutung für das System nichts an einer unbequemen Tatsache: Arbeitszeit, Vergütung, Personalbemessung, Beiträge, Budgets und Arbeitsbedingungen werden zu großen Teilen außerhalb ihres persönlichen Einflusses entschieden.
Du kannst für ein System unverzichtbar sein und persönlich trotzdem von ihm abhängig bleiben.
Das gesamte System hängt an den Versicherungen
Krankenhäuser, Arztpraxen, Therapiepraxen, Pflegeheime und ambulante Pflegedienste können auf Dauer nur anbieten, was finanziert wird. In der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung entscheiden Leistungskataloge, Budgets, Vergütungssysteme, Prüfungen und politische Beitragssatzziele darüber, welche Versorgung wirtschaftlich möglich bleibt.
Wird an dieser Finanzierung gedreht, trifft es nicht zuerst eine abstrakte Verwaltung. Es trifft die Station, die keinen Dienst mehr besetzen kann. Den Pflegedienst, der eine weitere Anfrage ablehnt. Die Geburtsstation, die schließt. Die Hausarztpraxis auf dem Land, für die kein Nachfolger gefunden wird. Und schließlich den Menschen, der länger fährt, länger wartet oder gar keinen passenden Versorgungsplatz mehr bekommt.
Jahrzehnte der Aushöhlung haben sichtbare Spuren hinterlassen
Mit dem DRG-Fallpauschalensystem wurde die Krankenhausfinanzierung ab 2004 konsequent an behandelte Fälle gebunden. Das Bundesgesundheitsministerium spricht inzwischen selbst von Fehlanreizen, die durch Vorhaltefinanzierung gemindert werden sollen. Pflegepersonalkosten wurden 2020 wieder aus den Fallpauschalen herausgelöst. Allein diese Korrektur zeigt, wie tief die ökonomische Logik zuvor in die unmittelbare Patientenversorgung eingegriffen hatte.
Die Folgen des Strukturwandels sind messbar. Im Jahr 2000 gab es in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 2.242 Krankenhäuser. 2024 waren es noch 1.841. Besonders brutal zeigt sich die Entwicklung in der Geburtshilfe: 1991 boten 1.186 Krankenhäuser Entbindungen an, 2024 nur noch 578. Wer auf dem Land lebt, spürt solche Zahlen nicht als Statistik, sondern als zusätzlichen Weg und verlorene Nähe zur Versorgung.
Auch in der Pflege wächst der Bedarf schneller als die verlässliche Versorgung. 2023 waren 5,7 Millionen Menschen pflegebedürftig, mehr als doppelt so viele wie zehn Jahre zuvor. Bundesweit ist die Zahl zugelassener ambulanter Dienste bis 2023 zwar gestiegen. Das widerlegt jedoch nicht die wirtschaftliche Not einzelner Anbieter, regionale Schließungen und die zunehmende Erfahrung, dass Dienste Anfragen mangels Personal oder tragfähiger Vergütung ablehnen müssen. Wer seriös argumentiert, nennt beides: Es gibt mehr registrierte Dienste – und trotzdem reicht die tatsächlich verfügbare Versorgung vielerorts nicht aus.
Hinzu kommen das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz und der Entwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes, kurz PNOG. Das Beitragssatzstabilisierungsgesetz begrenzt die Ausgabendynamik, damit Beiträge nicht noch schneller steigen. Der PNOG-Entwurf soll die Pflegeversicherung finanziell stabilisieren, hebt für neue Begutachtungen aber zugleich die Schwellen zur Einstufung in einen Pflegegrad an. Übersetzt heißt das: Die Finanzierung wird stabilisiert, indem der Zugang zu Leistungen enger gesteuert und der Ausgabenanstieg gebremst wird.
Mehr zahlen, während der Zugang enger wird
Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt. Personal, Energie, Medikamente, Technik und Einrichtungen werden teurer. Zusatzbeiträge und Beitragsbemessungsgrenzen steigen. Gleichzeitig werden Leistungen gebündelt, Zugänge verändert, Budgets begrenzt und Anbieter unter Kostendruck gesetzt.
Und Beitragsgeld wird nicht ausschließlich dort wirksam, wo Beitragszahlende Versorgung erwarten. Der GKV-Spitzenverband geht davon aus, dass der Bund die Gesundheitsversorgung von Bürgergeldbeziehenden jährlich um rund 10 Milliarden Euro zu niedrig finanziert. Diese Versorgung ist notwendig. Der Skandal liegt nicht bei den versicherten Menschen, sondern darin, dass eine gesamtstaatliche Aufgabe nach Auffassung des Spitzenverbandes nur zu einem Bruchteil aus Steuern bezahlt und der Rest aus den Beiträgen der gesetzlich Versicherten ausgeglichen wird. Nach Angaben des Verbandes wird die Klage für insgesamt 79 Krankenkassen geführt.
Man muss das nicht juristisch bereits als erwiesenen Missbrauch bezeichnen. Politisch darf man es trotzdem beim Namen nennen: Der Staat bestellt eine Leistung, bezahlt sie nicht vollständig und lässt die Lücke von den Beitragszahlenden schließen. Gleichzeitig wird den Menschen, die Versorgung praktisch leisten, erklärt, sie seien die Nutznießer dieses Systems.
Dabei sind es genau diese angeblichen „Nutznießer“, die dieses Land seit Jahrzehnten stabilisieren und am Laufen halten. Sie behandeln, pflegen, retten, begleiten und versorgen. Sie springen ein, wenn Personal fehlt. Sie fangen die Folgen politischer Entscheidungen im Alltag auf. Ohne sie gibt es kein funktionierendes Gesundheitswesen – und ohne ein funktionierendes Gesundheitswesen funktioniert auch dieses Land nicht.
Nutznießer am Arsch.
Sie tragen das System. Sie zahlen in das System. Sie erleben, wie das System ausgedünnt wird. Und sie bleiben mit ihrem eigenen Einkommen genau von den Institutionen abhängig, die über Beiträge, Budgets und Leistungen entscheiden.
Die Belege dafür liefern nicht nur Kritiker. Das Bundesgesundheitsministerium dokumentiert die DRG-Finanzierung und ihre Fehlanreize, das Statistische Bundesamt den Rückgang der Krankenhäuser, die Halbierung der Entbindungskliniken sowie den Anstieg von Pflegebedarf und Pflegeausgaben. Das Bundesgesundheitsministerium erläutert selbst die höheren Zugangsschwellen im PNOG-Entwurf. Der GKV-Spitzenverband dokumentiert die Klage wegen der Unterfinanzierung gesamtstaatlicher Aufgaben.
Die falsche Sicherheit eines einzigen Einkommenswegs
Ein fester Beruf kann Einkommen, Erfahrung, Struktur und soziale Absicherung bieten. GET UP! greift weder Angestellte noch das Gesundheitswesen an. Der Gegner ist die falsche Sicherheit, ein einziger fremdbestimmter Einkommensweg werde unter allen Veränderungen dauerhaft ausreichen.
Heiko Matamaru kennt diese Grenze aus eigener Erfahrung. 2019 führte eine lebensbedrohliche Erkrankung dazu, dass er seine bisherige Arbeit als angestellter Krankenpfleger nicht fortsetzen konnte. Das Problem war nicht, dass sein Beruf keinen Wert hatte. Das Problem war, dass seine wirtschaftliche Handlungsfähigkeit an seiner persönlichen Arbeitskraft und an genau diesem Weg hing.
Wer erst dann nach einer Alternative sucht, wenn das bisherige Modell ausfällt, beginnt unter maximalem Druck.
Die Alternative ist nicht der blinde Ausstieg
Die Konsequenz lautet nicht: Kündige morgen deinen Job. Sie lautet: Nutze, was du heute hast, um zusätzliche Fähigkeiten und Möglichkeiten aufzubauen.
Dein 9-to-5 kann deinen 5-to-9 finanzieren. Im Schichtdienst kann es ein anderes, fest reserviertes Zeitfenster sein. Entscheidend ist nicht die Uhrzeit. Entscheidend ist, dass dein eigener Aufbau einen verbindlichen Platz bekommt.
Dazu können beispielsweise gehören:
- wirtschaftliches und unternehmerisches Grundwissen;
- Gesprächsführung, Verkauf und Beziehungsaufbau;
- ein eigenes nebenberufliches Angebot;
- Rücklagen und langfristiger Vermögensaufbau;
- ein tragfähiges Netzwerk;
- wiederholbare Prozesse, die nicht ausschließlich von jeder einzelnen Arbeitsstunde abhängen.
Warum GET UP! Network Marketing als Trainingsfeld nutzt
GET UP! positioniert Network Marketing nicht als schnellen Fluchtweg und nicht als Einkommensgarantie. Es ist ein praktisches unternehmerisches Trainingsfeld. Du musst lernen, selbst Entscheidungen zu treffen, Menschen anzusprechen, zuzuhören, ein Angebot verständlich zu erklären, Ablehnung auszuhalten, dich zu organisieren und Verantwortung für Ergebnisse zu übernehmen.
Network Marketing verspricht dir nicht, dass du erfolgreich wirst. Es zeigt dir, wer du werden musst, wenn du etwas Eigenes aufbauen willst.
Der Einstieg macht dich nicht automatisch zum Unternehmer. Wer nur Zeit gegen einzelne Verkäufe tauscht, bleibt zunächst selbstständig tätig. Unternehmerische Eigenschaften entstehen erst durch Kundenbestand, wiederholbare Prozesse, Teamarbeit, Führung und verantwortliche Duplikation.
GET UP! ist eine unabhängige Community. Lifeplus ist aktuell die Partnercompany; GET UP! bleibt bei der Wahl seiner Partnercompany grundsätzlich frei. Ergebnisse hängen von Fähigkeiten, Einsatz, Marktbedingungen und persönlichen Entscheidungen ab.
Das Video ansehen
Im kurzen Video greift Heiko die Formulierung aus dem Gespräch zwischen Merz und Merscher auf und richtet die Konsequenz an Menschen in Pflege und Gesundheitswesen: Welche wirtschaftliche Alternative baust du außerhalb deines bisherigen Einkommensmodells auf?
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Wie aus der erkannten Abhängigkeit eine eigene Richtung werden kann, zeigt der grundlegende Beitrag Etwas Eigenes aufbauen: Niemand kommt, um dich zu retten.
Die ursprüngliche Auseinandersetzung und ihren Kontext dokumentieren unter anderem RTL und das Handelsblatt.
Deine eine Antwort
Wenn dein heutiger Einkommensweg in zwölf Monaten ausfiele: Welche Fähigkeit, Rücklage, Beziehung oder zusätzliche Einnahmequelle würde dir dann Handlungsspielraum geben?
Schreibe nicht zehn Möglichkeiten auf. Entscheide dich für einen Baustein und lege fest, was du in den kommenden sieben Tagen konkret dafür tust.
Wenn du diesen Weg nicht allein durchdenken möchtest, kannst du über WhatsApp eine Einladung zur GET UP! Community anfragen. Nenne in der vorbereiteten Nachricht freiwillig die Person, die dich eingeladen hat, oder schreibe „direkt über die Website“.
Kontakt und Teilnahme sind freiwillig. Der Beitrag ist eine unternehmerische Einordnung und keine politische Wahlempfehlung, Finanzberatung oder Einkommenszusage.
